Sinn und Aufgabe des Kempodium wird sehr eingängig durch Jens Mittelsten Scheid (Mitbegründer und Förderer unseres Bürgerzentrums) dargestellt. Nachfolgend ein Auszug aus einem Interview zum 10-jährigen Bestehen des Kempodium 2010.

Was war bei der Gründung Ihr größtes Anliegen und sehen Sie es verwirklicht?

Jens Mittelsten Scheid:

Ich denke, es ist wichtig zu sehen, dass unser Leben nicht nur aus Erwerbsarbeit
und Konsum besteht, sondern dass es daneben Lebensbereiche gibt, die ganz
unabhängig vom Markt für unser Wohlbefinden von zentraler Bedeutung sind:
Vor allem das Familienleben, aber auch kulturelle Bildung, die Pflege sozialer
Beziehungen, kreatives Tun und Eigenarbeit, Ehrenamt, politisches Engagement
und vieles andere mehr. In diesen Bereichen ist nicht Geld gefordert, sondern
Persönlichkeit und Engagement. Beides wird im Kempodium gefördert. Denn wer
einmal erfahren hat, wie gelungene Eigenarbeit Menschen begeistert, stolz macht
und stärkt, der begreift, Selbermachen immunisiert gegen überflüssigen Konsum
und legt die Grundlagen für ein neues Verständnis von Wohlstand im Alltag.

Sind Sie mit der Entwicklung des Kempodium zufrieden?

Jens Mittelsten Scheid:
Ja, ich bin sehr zufrieden mit dieser Entwicklung.
Der Start vor zehn Jahren war nicht ganz einfach. Nicht alle glaubten damals, dass
es möglich sei, zu vertretbaren Kosten eine Einrichtung zu betreiben, in der Kinder
und Erwachsene, Ärmere und Reichere, Frauen und Männer aktiv sind und sich in
gleicher Weise wohl fühlen.
Doch jetzt wissen wir, dass dies möglich ist. Denn inzwischen kommen jährlich viele
tausend Menschen ins Kempodium, um ihrer eigenen Kreativität nachzuspüren, um
zu bauen, zu kochen, zu feiern, zu lernen, um Anderen zu begegnen.
Das finde ich großartig.

Was wünschen Sie dem Kempodium?

Jens Mittelsten Scheid:
Ich wünsche dem Kempodium ein langes Fortbestehen. Ich wünsche mir, dass im
Kempodium auch in Zukunft viele Menschen das Angebot zum Selbermachen nutzen,
dass gedacht und gelacht wird und dass Viele sich durch ihre eigene Arbeit bereichert
fühlen. Und ich wünsche mir, dass im Kempodium auch weiterhin so viele hoch engagierte
Ehrenamtliche tätig sind. Denn das ist wirklich  beeindruckend.

Ich bin sicher, das Haus wird zur Stärkung der Zivilgesellschaft in Kempten und in der
Region Oberallgäu beitragen. Darum hoffe ich, dass dem Haus auch in Zukunft das
Vertrauen seiner Förderer, Unterstützer und der politischen Mandatsträger erhalten bleibt.